Schörli – seit 20 jahren ein Zuhause für Menschen mit Demenz
Januar 2025 Reportage von Bernhard Bircher
An einem kalten, verschneiten Tag im November besuche ich das ruhig gelegene Wohnhaus Schörli in Zürich-Schwamendingen. Das Schörli ist seit 2005 ein Zuhause für Menschen mit Demenz – ein Ort, an dem Pflege und Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen. In dem hindernisfrei umgebauten ehemaligen Pfarrhaus erwartet mich eine warme, familiäre Atmosphäre. Am Eingang begrüsst mich der Hauskater «Ragnar», dessen Bild mit einem freundlichen «Herzlich willkommen» an der Tür klebt. Neugierig, was diesen Ort so besonders macht, trete ich ein und beginne meine Entdeckungsreise.
Ein Ort der Geborgenheit
Im Haus empfängt mich Claudia d‘Heureuse. Sie ist in Zürich-Schwamendingen aufgewachsen und seit 2014 Co-Heimleiterin im Schörli, zusammen mit Co-Heimleiter Andreas Sali. Bei einem gemeinsamen Rundgang erklärt sie: «Unser oberstes Ziel ist es, unseren Bewohnerinnen und Bewohnern das Gefühl zu geben, zu Hause zu sein». Zum Zusammengehörigkeitsgefühl tragen beispielsweise eine Fotowand mit den vielen Mitarbeitenden und Freiwilligen sowie kunstvolle Bastelarbeiten der Bewohnenden bei. Claudia d‘Heureuse sagt: «Unser Haus bietet 12 Plätze in hellen und ruhigen Ein- und Zweibettzimmern, die mit einem Pflegebett ausgestattet sind. Viele persönliche Gegenstände wie Fotos und Möbel der Bewohnerinnen und Bewohner schaffen Vertrautheit und eine wohnliche Atmosphäre». Eigene Möbel, Familienfotos und Erinnerungsstücke würden gerade Neuankömmlingen das Einleben und die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart erleichtern.
Im Mittelpunkt: Wohlbefinden und Lebensfreude
In den hellen und grosszügigen Aufenthalts- und Speiseräumen herrscht reges Treiben. Die Bewohnenden sind teilweise beim Essen, sitzen auf dem gemütlichen Sofa oder erledigen kleinere Hausarbeiten – bei Bedarf mit Unterstützung des anwesenden Pflege- und Hauswirtschaftspersonals. «Im Mittelpunkt unseres Handelns steht immer das Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner », betont Claudia d‘Heureuse. Der Tagesablauf richte sich daher ganz nach den Bedürfnissen des Einzelnen. «Niemand wird zu etwas gedrängt – es geht um Freude, Gemeinschaft und Erfüllung im Alltag.»
Gemeinschaft stärken: Erinnerungen teilen und Natur erleben
Nach dem Abendessen schauen sich einige Bewohnende gemeinsam ein Fotoalbum an, eine Mitbewohnerin liebkost die Hauskatze. Lachen und Erzählen erfüllt den Raum. «Erinnerungen zu teilen, stärkt das Gemeinschaftsgefühl und gibt Identität zurück», erklärt Co-Heimleiterin Claudia d‘Heureuse. Mein Blick schweift auf den grossen, geschützten Garten. Er werde im Sommer rege genutzt. «Die Natur hat eine beruhigende Wirkung, besonders auf Menschen mit Demenz», sagt Claudia d‘Heureuse. Demenz äussere sich bei jedem Menschen anders. Verhaltensauffälligkeiten könnten für alle Beteiligten schwierig sein. «Aber unser Team mit vielen langjährigen Mitarbeitenden ist sehr erfahren, gut geschult und arbeitet mit viel Herz und Einfühlungsvermögen.» Das würden auch die regelmässig durchgeführten Angehörigen-Befragungen bestätigen (siehe Kasten «Angehörigen-Feedbacks» auf den Seiten 10–11). Für eine umfassende medizinische Betreuung stünden zudem ein erfahrener Heimarzt und ein Geronto- Psychiater zur Verfügung (siehe Kurzinterviews auf den Seiten 6–7) – und auch nachts sei immer Pflegepersonal vor Ort.
Jubiläumsjahr im Schörli: Würdevolle Betreuung und neue Perspektiven
Zum 20-jährigen Jubiläum im Jahr 2025 plant das Schörli-Team verschiedene Aktivitäten und ein spezielles Sommerfest. Das Ziel aller Anstrengungen: Die Lebensqualität der Bewohnenden laufend weiter verbessern. Dieses Engagement spiegelt die Werte wider, die ich während meines Besuchs erlebt habe: Geborgenheit und die herzliche Fürsorge des Teams. Das Wohnhaus Schörli zeigt eindrücklich, wie Menschen mit Demenz würdevoll betreut werden können – heute und in Zukunft.